Gesunde Ernährung Allgemein

Weshalb gesunde Ernährung angeblich Menschen erkranken lässt

In der Menschheitsgeschichte ist der soziale Dialog über eine "gesunde" Ernährung noch relativ junge. Wie so oft bei naturwissenschaftlichen Ergebnissen gibt es heute jedoch überhaupt keinen Konsens darüber, wie eine gesunde Ernährung aussehen soll. Das macht es denjenigen, die sich gesunde und zugleich ökologisch verträgliche Lebensmittel verzehren wollen. Sei es aus gesundheitlichen Erwägungen wie z.B.

Adipositas, weil sie mit ihrer Ernährung weniger zum Klimaschutz beisteuern wollen oder weil sie ganz schlicht und ergreifend der Meinung sind, sich in Form halten zu können.

Wenn sie nicht zufrieden sein wollen mit dem, was Ärzten oder Ernährungswissenschaftlern vorgeschlagen wird, müssen sie sich nach der für sie passenden Ernährung umsehen. Bei einer generellen Zunahme der individuellen Ausrichtung und einer gleichzeitigen Zunahme des Interesses an der eigenen Persönlichkeit und ihrem Wohlergehen ist dieses Bestreben nach gesunder Ernährung schon seit geraumer Zeit medizinisch überdacht.

Orthorexia, so die Dissertation. Orthorexia ist ein Begriff für den Menschen, der weit von einer guten Beziehung zur Ernährung entfernt ist. Wie es das Magazin für Ernährungs-Fanatiker (STERN) ironisch formulierte, wollte man sich mit aller Kraft für eine gesunde Ernährung einsetzen und zeigte ein immer zwanghafteres Auftreten. Unter http://www.orthorexia.com/ von Stefan Bratman finden Sie auch einen " Self-Test ", mit dessen Unterstützung Sie feststellen können, ob Sie bereits orthorektisch sind, d. h. ob Sie aufgrund Ihrer Ernährung tatsächlich (psychisch) kränklich sind.

Wenn Sie sich erschrecken und sich wundern, ob Ihr Benehmen bereits krankhaft ist, weil Sie es vorziehen, Ihr Obst und Gem�se selbst anzubauen oder wenigstens in Bio-Qualit�t zu kaufen, weil Sie in Lebensmittelverpackungen nach Zucker oder Transfetts�uren suchen und diese dann vermeiden, oder weil Sie es genießen, den CO2-Fußabdruck der Nahrungsmittel zu �berpr�fen, die Sie und Ihre Freunde in der Speises�che im Restaurant einzunehmen, dann können Sie mit Sicherheit sein: In der wissenschaftlichen Gesundheitsmedizin wird die orthorexia nicht als klinisches Bild anerkannt.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die Hypothese dieses vermeintlich pathologischen Handelns bei der Bewertung und Auswahl von Lebensmitteln oft von Menschen angenommen und weitergegeben wird, die sich andersherum verhalten: Er ernährt sich, ohne lange darüber nachgedacht zu haben. Er ernährt sich gern und im Überfluss von jenen Nahrungsmitteln, die man ernährungsphysiologisch lieber vermeiden sollte.

Dazu gehören z.B. hoch gesüßte oder gepökelte. industrielle verarbeitete Nahrungsmittel, die mit allen Arten von Lebensmitteln bereichert sind, die laut Gesetz zulässig sind, aber mindestens ernäherungsphysiologisch problematisch sind, wie Geschmacksverstärker. So erscheinen die eigenen, weniger reflektierenden Essgewohnheiten auf einmal wieder so ruhig. Sie wirken ganz natürlich und gesünder. Damit hat die Thesen der orthorexia im Streit um eine gesunde Ernährung wenigstens auf den ersten Blick für einen ähnlich langen Spieß vorgesorgt.

Dr. Claus-Heinrich Taub unterrichtet und erforscht an der FH NRW und der Uni Baselland über Fragestellungen zu den Themen nachhaltige Unternehmensentwicklung, nachhaltige Innovation und nachhaltiges Konsumieren.

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