Categories
Ratgeber

Gesundes Gewicht für Kinder: Abnehmen ohne Verbote

Wenn Ihr Kind mehr wiegt, als für sein Alter gesund ist, denken Sie vielleicht an eine Diät. Bei Kindern funktioniert Abnehmen aber anders als bei Erwachsenen. Wirksamer ist eine Veränderung der Familienroutine: gemeinsam essen, kochen, sich bewegen, ohne Druck und Verbote. Kinder können altersgerecht mitmachen, etwa beim Kochen, bei Bewegungsspielen und bei der Auswahl von Mahlzeiten. Starre Verbote bewirken oft das Gegenteil.

Abnehmen muss bei Kindern nicht bedeuten, dass die Zahl auf der Waage sinkt. Bei manchen Kindern reicht es, das Gewicht zu halten, während sie in die Höhe wachsen. Ob Ihr Kind überhaupt abnehmen sollte, klären Sie in einer ärztlichen Praxis. Eine Kinder- und Jugendärztin oder ein Kinder- und Jugendarzt beurteilt Wachstum und Gewicht anhand altersgerechter Maßstäbe.

Die Familie als Vorbild

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt, die Gewohnheiten der ganzen Familie zu betrachten. Erwachsene können gesunde Mahlzeiten, Wasser statt süßer Getränke, Bewegung, ausreichend Schlaf und einen entspannten Umgang mit Essen vorleben. Kinder übernehmen Verhalten vor allem dadurch, dass sie es täglich sehen. Belehrungen wirken dabei schwächer als ein gutes Vorbild.

Das BIÖG rät ausdrücklich davon ab, Kinder für ihr Gewicht zu loben oder zu tadeln. Weder "Du hast aber toll abgenommen" noch "Du musst dich mehr bewegen" gehört in ein Gespräch über Gesundheit. Stattdessen geht es um Wohlbefinden: Wie fühlst du dich? Was schmeckt dir? Was möchtest du heute unternehmen?

Gewicht halten statt abnehmen

Kinder wachsen noch. Deshalb ist die Rechnung "weniger Kalorien, weniger Gewicht" zu kurz. Bei Kindern kann ärztlich begleitetes Gewicht-Halten ausreichen: Das Kind bleibt auf seinem Gewicht, wächst aber weiter. Dadurch normalisiert sich das Verhältnis von Gewicht zu Größe. Der Body-Mass-Index (BMI) setzt Gewicht und Größe ins Verhältnis; bei Kindern wird er immer im Vergleich zu Gleichaltrigen betrachtet. Ob das für ein bestimmtes Kind die richtige Strategie ist, entscheidet die ärztliche Praxis anhand von Wachstumskurven und BMI-Perzentilen, also Vergleichswerten zu Gleichaltrigen.

Eine selbst verordnete Diät ist für Kinder kein geeigneter Weg. Crashdiäten oder einseitige Ernährungspläne können Wachstum und Entwicklung stören. Wenn Sie sich Sorgen um das Gewicht Ihres Kindes machen, ist der erste Schritt ein Termin in der Kinderarztpraxis.

In Deutschland sind etwa 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, rund 6 Prozent haben Adipositas, die stärkere Ausprägung von Übergewicht. Das entspricht etwa 1,7 Millionen Kindern und Jugendlichen. Bei diagnostizierter Adipositas empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die American Academy of Pediatrics (AAP) und die US-Gesundheitsbehörde CDC eine strukturierte, familienbezogene Behandlung aus Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung. Solche Programme sind keine Crashdiät. In diesen Programmen begleiten Fachleute die Familie dabei, ihre Gewohnheiten zu ändern. Ziel ist Wohlbefinden und Gesundheit, nicht nur die Zahl auf der Waage.

Warum Verbote nach hinten losgehen

"Abnehmen ohne Verbote" bedeutet nicht, dass jede Ernährungsregel schädlich ist. Es bedeutet: keine Verbote, die nur für das betroffene Kind gelten, und keine Beschämung. Wenn ein Kind Süßigkeiten verwehrt bekommt, während der Rest der Familie zugreift, entsteht das Gefühl, bestraft zu werden. Essen wird zum heiklen Thema, und der Druck am Esstisch wächst.

Eine Meta-Analyse von 51 Studien fand eine kleine statistische Verbindung zwischen elterlicher Einschränkung beim Essen und höherem kindlichem Gewicht. Das heißt nicht, dass Verbote Kinder nachweislich dicker machen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Eltern möglicherweise auch deshalb stärker kontrollieren, weil das Kind bereits Übergewicht hat. Die Richtung des Zusammenhangs ist unklar.

Klar ist dagegen, dass abwertende Kommentare über den Körper, Gewichtswitze oder die Darstellung von Bewegung als Strafe Kinder psychisch belasten. Fachgesellschaften wie die AAP und die WHO verweisen auf mögliche Folgen wie Ausgrenzung, Mobbing und Rückzug. Kommentare über das Gewicht gehören nicht an den Esstisch, und Bewegung bleibt eine gemeinsame Aktivität, die nicht als Strafe eingesetzt wird.

So macht Ihr Kind mit

Kinder lassen sich am besten einbinden, wenn sie mitgestalten dürfen. Das Kind kann für eine Mahlzeit ein Gericht oder ein Gemüse auswählen, beim Einkaufen Zutaten suchen, Gemüse waschen oder rühren, den Tisch decken und eigene Ideen für Ausflüge einbringen. So gestaltet es die Familienroutine mit.

Beim Essen selbst gilt: Hunger und Sättigung respektieren. Das BIÖG empfiehlt, Kinder nicht zum Weiteressen zu zwingen und Essen nicht als Trost oder Belohnung einzusetzen. Wenn ein Kind sagt, dass es satt ist, ist das eine ernstzunehmende Information. Bei Jugendlichen kann gemeinsames Kochen eine Form der Beteiligung sein, die ihre wachsende Selbstständigkeit berücksichtigt.

Bewegungsspiele für die Familie

Bewegung soll Freude machen. Sie dient nicht als Ausgleich fürs Essen. Geeignet sind Aktivitäten, die alle gemeinsam machen können, ohne Leistungsdruck:

  • Musik anmachen und abwechselnd eine Tanzbewegung vormachen, die alle nachmachen
  • Ein lockeres Badminton-Spiel ohne Ausscheiden oder Wertung
  • Ein Ausflug zu Fuß oder mit dem Rad zu Spielplatz, Park oder Schwimmbad
  • Eine Schatzsuche beim Spaziergang, bei der alle bestimmte Dinge suchen, etwa eine Blattform oder einen roten Gegenstand
  • Ein kurzer Parcours im Hof oder Wohnzimmer mit einfachen Bewegungsaufgaben

Das BIÖG nennt ebenfalls Geocaching, die digitale Schatzsuche mit GPS, als Möglichkeit. Bei starkem Übergewicht oder Gelenkbeschwerden sollten Sie die Aktivität passend wählen und langsam steigern. Schwimmen und Radfahren belasten die Gelenke weniger als manche Ballsportarten. Bei Unsicherheit empfiehlt das BIÖG, vorab ärztlichen Rat einzuholen.

Rezepte zum gemeinsamen Kochen

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bietet mit "Kinderleichte Rezepte" ein Material mit zehn kalten Speisen und drei warmen Gerichten. Dazu gehören Konfettiquark, Ayran, herzhafte Waffeln, pikante Schnitten und eine schnelle Gemüsepizza. Die Rezepte sind darauf ausgelegt, dass Kinder selbstständig mitarbeiten.

Für die Gemüsepizza können Kinder die Zutaten auswählen und das Gemüse verteilen. Konfettiquark lässt sich unkompliziert zusammenrühren und eignet sich als kalte Speise, die Kinder fast allein zubereiten können. Herzhafte Waffeln sind ein warmes Gericht, bei dem Kinder beim Abwiegen und Rühren helfen. Die vollständigen Zutaten und Mengen finden Sie im Material der BLE.